eSport

Eine feste Größe in der Live-Kommunikation

Der kompetitive eSport hat in den letzten Jahren und über Landesgrenzen hinweg eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Schneller als andere Sportarten hat er sich professionalisiert.

Weltweite wachsende Zuschauerzahlen, steigende Marketingausgaben und Werbeerlöse sowie zunehmende Verkäufe an Übertragungsrechten sprechen für die Entwicklung als neue Breiten- und Zuschauersportart. Das Marktforschungsunternehmen Newzoo prognostizierte 2019 ein Wachstum der Esport-Zuschauerzahlen von 335 Millionen weltweit um mehr als 100 Millionen auf 454 Millionen. Das kompetitive Gaming solle Erwartungen nach 2021 sogar zur zweitbeliebtesten Sportart der USA neben der National Football League (NFL) aufsteigen. Und auch hierzulande erwartet das Beratungsunternehmen PwC ein jährliches Wachstum von 23,6 Prozent für Ticketverkäufe von Live-eSport-Events im Zeitraum zwischen 2019 und 2023 (Quelle: „Digital Trend Outlook 2019: ESport“).

Hybride Events verbinden

Schaute noch vor einigen Jahren hauptsächlich eine eingefleischte Fan-Community vor den heimischen Rechnern den meist professionellen und sehr charismatischen Spielern beim Streamen zu, locken internationale Gaming-Events mittlerweile Fans und Besucherströme auf Messen, Open Airs und in große Stadien. Anders als die Wettkämpfe von zu Hause aus zu verfolgen, verspricht das Live-Erlebnis im Stadion eine andere Art der Interaktion.  Die professionell organisierten Turniere bieten dem meist jungen, multikulturellem, technikbegeistertem und loyalem Publikum mehr als nur Sport: Man erlebt spektakuläre Shows und trifft vom Gelegenheitsspieler über Vielzocker bis hin zum Profi Gleichgesinnte.   Festival-Atmosphäre pur. eSport-Turniere kombinieren dabei gekonnt zwei Arten von Veranstaltungen, was die Beliebtheit unterstreicht: das live kommentierte Streaming und das Live-Erlebnis vor Ort. Die Zuschauer am Austragungsort als auch vor den Bildschirmen bekommen dabei alle Spiele ungefiltert mit.

Zuschauer als Teil des Live-Erlebnisses

Was so locker und leicht für die Zuschauer aussieht, erfordert wie jedes andere Großevent auch im Vorfeld einiges an Vorbereitung. Eine der wichtigsten Zutaten eines erfolgreichen Gaming-Events ist selbstverständlich das technische Equipment. Immerhin muss das, was sich auf den Bildschirmen der Profis abspielt, in den Veranstaltungsstätten auf riesige, hochauflösende Projektionsflächen übertragen und darüber hinaus in die Welt gestreamt werden. Auch Highspeed-Internet ist für alle Austragungsorte ein Muss und sollte beim Ausbau digitaler Infrastrukturen unbedingt berücksichtig werden. Des Weiteren kommt auch den Technikern und Live-Operatoren eine wichtige Rolle zu. Sie müssen die Kunst beherrschen, das Spiel einzufangen und es so zu inszenieren, dass die Dramaturgie für das Publikum jederzeit zu spüren ist. Der Zuschauer soll das Gefühl haben, Teil des Spiels zu sein. Eine wichtige und zentrale Rolle spielt dabei das Unternehmen, welches für die operative Umsetzung der Live-Produktion und des Broadcastings verantwortlich ist. Dieses muss in der Lage sein, eSport-Events konzeptionell und in der Umsetzung vor Ort ganzheitlich zu unterstützen und so für eine Verbesserung der Live Experience und der weltweiten Vermarktung des Spiels zu sorgen.

satis&fy verantwortlich für technische Umsetzung, Setbau und Backstage-Logistik bei eSport-Event in London

Wettkampf- und Effektlicht als Teil der Inszenierung

Für ein dreitägiges internationales eSport-Event in der „Copper Box“ in London verschlug es satis&fy im Februar in die englische Hauptstadt. Was dort Backstage passierte und was Veranstaltern wichtig ist, erklärt satis&fy Project Manager Björn Kowalzig, verantwortlich für die technische Umsetzung der in-venue Produktion vor Ort: „Die Herausforderung liegt darin, das Turnier sowohl für die Live-Online-Zuschauer als auch am Austragungsort gut aussehen zu lassen. Daher lag unser Fokus vor allem auf einer kameratauglichen Ausleuchtung der Bühne, der Zuschauerflächen, der Studiosituationen und der Kommentatoren-Desks. Wir hatten auf speziellen Wunsch des Lichtdesigners SolaFrames 3000 von High-End-Systems im Einsatz. Das ist derzeit das hellste LED-Spotlight auf dem Markt.

Hochauflösende LED-Videowände für eine bessere Live-Experience

Um die hochwertigen Grafiken des Spiels für alle gut sichtbar zu machen, setzte satis&fy mehrere LED-Wände mit einem sehr geringen Pixelpitch von 3,2 Millimeter ein. So konnte das Publikum vor Ort die Dramaturgie des virtuellen Spieles gut nachempfinden und ihr Live-Erlebnis verbessert werden. „Wichtig ist nämlich, dass die Zuschauer zu jedem Zeitpunkt gut nachvollziehen können, was im Spiel geschieht“, erklärt der Project Manager. Auf den LED-Wänden wurde ein Mix aus vorproduziertem und vom Kunden angeliefertem Content gezeigt. Dieser wurde vor Ort durch live produzierten, vom Ü-Wagen übernommenen Content ergänzt.

Gute Sprachverständlichkeit

Auch bei der Tonübertragung ist Sorgfalt gefragt, denn eine gute Sprachverständlichkeit ist das A und O. „Während des laufenden Turnierbetriebs werden neben den typischen Spielesounds auch die Interkom-Gespräche der im Match befindlichen Teams oder auch der Shoutcaster eingespieIt. Auch dadurch gewinnt der Zuschauer den Eindruck, mittendrin zu sein und nicht nur dabei“, weiß Kowalzig. Der akustisch erzeugte Spannungsbogen wurde in der Venue für alle spürbar mit einem KARA Lautsprechersystem von L-Acoustics umgesetzt. Mit Feingefühl sei auch der Venue- und Ü-Wagen-Streamingfeed-Sound aufeinander abzustimmen, so der 39-Jährige weiter.  Denn bekomme die Community im Stream nicht, was sie erwartet, sei die unmittelbare Meinungsäußerung der Chat affinen Gaming-Community im Gegensatz zu anderen Formaten sofort lesbar.

Speziell gefertigte Gamer-Tische

Für den London-Event fertigte satis&fy im Vorfeld in den eigenen Werkstätten zwei 5er-Tische für die battelnden Gamer Teams und zwei 2er-Tische für die Analysten an. Denn auch die Ausstattung der Events mit passendem Mobiliar ist wesentlich. Elemente wie Gamer-, Analysten- und Kommentatorendesks sind dabei häufig Sonderanfertigungen, um den speziellen Bedürfnissen der Teams und Produktion gerecht zu werden. „Ein Profi-Gamer hat ähnliche Erwartungen an sein “Spielfeld” wie der Profifußballer an seinen Rasen. Er braucht in der Regel viel Platz für seine Ausrüstung und der Arbeitsplatz muss ergonomisch sein. Für unseren Kunden spielten daher die Langlebigkeit und Oberflächenbeschaffenheit des Materials eine große Rolle. Die Tische sollten stabil, robust und kratzfest, Fingerabdrücke nicht zu sehen und das Material wasserfest sein. Auch ein vereinfachtes Kabelmanagement mit eingebauter Kabelführung war gewünscht“, verrät Kowalzig. Um ein 2 gegen 2 VIP-Battle zu ermöglichen, wurden die 2er Analystentische darüber hinaus mit einem Schienensystem für freie Positionierbarkeit ausgestattet. Die Frontblenden aller Tische wurden mit LED-Flächen versehen und die Seiten mit LED-Lightboxen verkleidet, denn laut Kowalzig, „sei eine Wiedererkennung des Game-Designs sehr wichtig.“ Das erreichte man durch das Einspielen von farblich passendem Video-Content auf die Lightboxen und Frontblenden.

Backstage-Logistik

Neben Technik und Ausstattung spielt in der Regel auch die professionelle Organisation der Backstage-Logistik für Computerspielehersteller eine bedeutende Rolle. Gerade im laufenden Turnier- und Ligenbetrieb sind Partner gefragt, die sich um die logistische eSport-Wettbewerbsabwicklung kümmern. So muss das IT-Equipment just in time zu den verschiedenen Austragungsorten transportiert werden. „Unser Kunde hatte zudem den Wunsch, sein IT-Equipment inklusive der Gaming-Chairs und Sonderbauten bei uns einzulagern bis es wieder benötigt wird“, erzählt der satis&fy Project Manager. Da komme dann gerne das Volumen eines 40’ See-Containerns zusammen, den die Kollegen des Inventory-Teams dann für die Einlagerung im Hochregal erfassen müssen. Auch Wartungsflächen am Einlagerungsort mit entsprechender Infrastruktur für das Update-Prozedere an den Spieleservern seien wichtig, um die IT-Systeme über die Wettkampfmonate immer up-to-date halten zu können. Nächster Austragungsort wäre Paris gewesen. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Live-Ligen-Betrieb zunächst ausgesetzt.

Nachhaltiges Kundenerlebnis

Björn Kowalzig versteht den Hype, Online-Gaming und Live-Production zusammenzubringen, nach seinem Aufenthalt in London jetzt besser: „Die Stimmung in der Halle war mitreißend, die Fans haben ihre Teams mit Gesängen gepusht und gefeiert, die Underdogs wurden gehypt wie Stars.“ Ihm habe es gefallen, diese besondere Live-Erfahrung in der Umsetzung mitzugestalten. „In der Regel setze ich Industrieveranstaltungen oder Public Events um. Die Planung und Umsetzung eines eSport-Events mischt die einzelnen Komponenten nochmal anders zusammen. Man baut eine Wettkampfstätte on Stage mit dem Fokus auf der Broadcast-Tauglichkeit, damit im reduzierten Ausschnitt des Fernsehbildes alles perfekt aussieht. Das Drumherum darf dann gerne Rock ‘n Roll sein.“

 

Photo Credits: Ira Wirth