Frank Simon

"Inzwischen arbeite ich 17 Jahre bei satis&fy. Eigentlich war es eine pure Aneinanderreihung von Höhepunkten."

Mein Weg zu satis&fy

Alles begann in einer kleinen Agentur in Mühlheim am Main. Hier hatte ich nach dem Ausstieg aus der Firma meines Vaters, einen Praktikumsplatz bekommen. Zu verdanken hatte ich den Platz wohl weniger meiner genialen Noten als vielmehr dem Bruder meiner damaligen Freundin, Felix Frost, der in der Agentur arbeitete. Eines Tages bekam ich mit, wie Felix mit Nico Ubenauf telefonierte. Die beiden kannten sich, weil Felix früher mal bei satis&fy gearbeitet hatte. Auch ich kannte Nico gut, weil wir zusammen in der Band „Relaxte Atmosphäre“ gespielt hatten – er war der Bassist, ich einer der Sänger. Wie aus einer Eingebung heraus bat ich Felix, mir mal den Hörer zu geben.

„Hei Nico, hättest du vielleicht einen Job für mich?“, fragte ich ihn.

Zu meiner großen Freude lud mich Nico ein, direkt mal auf der Dögelmühle vorbei zu kommen. Kurz darauf fing ich im Lager an zu arbeiten.

Damals war das Lager noch klein, wir teilten uns die Flächen mit der damals noch auf der Dögelmühle ansässigen Tonfirma Sirius. Alles war vergleichsweise sehr schnuckelig und beengt. Markus Theuer, Tom Krämer, Rüdiger Wirtz, Boris Fink, Alexis Spanakakis, Gunnar Kollar – das waren alles Personen denen ich hier zum ersten Mal über den Weg lief und die mir auch halfen, im Lager Fuss zu fassen. Ich war zwar Autodidakt, hatte aber anfänglich null Idee, was mich in Karben erwartete. Zu meinen ersten Aufgaben gehörte es, Bütec zu stapeln, Lampen zu prüfen und Traversen von Klebeband zu befreien.

Durch einen für mich glücklichen Zufall wurde ich allerdings schon kurze Zeit nach meinem Einstieg Teil eines sehr coolen Projektes: Die DHL-Tour quer durch Europa: Warschau, Paris, Dublin, Birmingham…, mit sieben Sattelschleppern zogen wir durch die großen Städte Europas. Eigentlich sollte Dogan, ein türkischer Kollege, an meiner statt mitfahren. Aber da der dummerweise vergessen hatte, sich ein Visum zu besorgen, wurde er auf dem Weg nach England auf dem Flughafen aufgehalten und musste wieder nach Hause fahren. Ohne dass ich damit jemals etwas zu tun gehabt hätte, war mein Job die komplette Lichtverkabelung des Foyers – reines Learning by Doing. Zum Glück nahmen mich meine Kollegen, allen voran Uli Bartsch, dabei ziemlich gut ans Händchen.

Fast zwei Jahre arbeitete ich zufrieden im Lager. Bis mich Marc Spangenberg „nach oben“ holte. Da man dort Leute suchte, fragte er mich eines Tages, ob ich mir vorstellen könnte, als Juniorprojektleiter zu arbeiten.

Die Antwort fiel mir nicht ganz leicht. Dass das zunächst mit etwas weniger Geld verbunden war, war das eine. Das andere war, dass ich zu dem Zeitpunkt noch meine Band Rinderwahnsinn hatte, in die viel Zeit und Herzblut floss. Wir hatten zahlreiche Auftritte. Allerdings war der Zenith zu diesem Zeitpunkt schon überschritten und so musste eine neue Vision her. Die Idee, als Projektleiter anzufangen, gefiel mir je länger ich darüber nachdachte. Nach ein bisschen Bedenkzeit sagte ich zu.

„Rückblickend kann ich sagen, dass mir meine Erfahrungen als Bandleader in meiner neuen Position geholfen haben.“

Hier gibt es eine ganze Reihe Parallelen: Du musst wissen, wie die Maschinerie läuft – Material organisieren, Aufbau, Gig, Abbau, Zeug wegbringen. Bei der Band hatte ich das im Kleinen, nun in Groß. Auch beim Thema Leadership gibt es Parallelen. Als Bandleader nimmst du quasi automatisch eine Führungsrolle an. Du musst die Richtung weisen, aber die anderen dürfen sich nicht unterdrückt fühlen. Die Inspiration muss aus ihnen selbst heraus kommen. Das ist eine Gratwanderung und du musst dabei sehr reflektiert sein, denn das kann auch schnell in die andere Richtung kippen – in Selbstverliebtheit und Narzissmus.

Inzwischen arbeite ich siebzehn Jahre bei satis&fy. Eigentlich war es eine pure Aneinanderreihung von Höhepunkten. Ich durfte die Welt sehen und mich mit sympathischen Menschen umgeben, was bestimmt in anderen Branchen nicht der Fall ist (z.B. im Finanzamt Langen). Was die Branche betrifft, möchte ich eigentlich nicht mehr umsatteln. Vielmehr ist es mein Plan, erhobenen Hauptes älter zu werden. Wenn es auch stressig ist, so ist es doch auch immer wieder neu und gut!

Frank Simon, Project Manager, Miterfinder der Weggerändränch, seit 2003 an Bord