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Wenn die Technik zählt ... und wann

Beitrag von Francesco Elsing, Head of Innovation

Wenn ich in investigativer Mission z. B. wie immer Anfang des Jahres auf der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas oder wie vor kurzem auf der IBC in Amsterdam unterwegs bin, verzeichnet mein Schrittzähler 14, wenn nicht mehr gelaufene Kilometer an jedem der vier Ausstellungstage. Die CES ist bekanntermaßen die größte Messe für Consumer Electronic der Welt. Warum sollte man als Veranstaltungsdienstleister dort überhaupt den Blick schweifen lassen, genau hinhören und seinen Herzschlag fühlen? Weil unsere Lösungen letztlich den Endkunden, den Consumer begeistern und verblüffen müssen. Und der ist auch in den eigenen vier Wänden von immer neuer Technik umgeben. Während der Endkunde emotional reagiert, wollen unsere Auftraggeber Alleinstellungsmerkmale. Also macht es großen Sinn, neue Trends auf Messen wie der CES feinfühlig zu beurteilen. Was kann mich und andere über den Tag hinaus begeistern? Gibt’s Innovationen oder neue Interpretationen von Bekanntem, die einen nachhaltigen Effekt haben können? Womit hat der Consumer möglicherweise in Zukunft zu tun? Können wir schneller als der Markt sein und unsere Auftraggeber frühzeitig beraten?

Menschen & Sensationen

Wenn’s konkret um die CES geht: Sie ist nicht auf Usability ausgelegt, sondern auf Sensation. Hier sollen Consumer staunen. Hier wird auch überprüft, ob mit der ein oder anderen Idee Begehrlichkeiten geweckt werden können. Nicht zuerst die praktische Umsetzung steht hier im Vordergrund. Für uns aber irgendwann schon. Also müssen wir, wenn eine Idee interessant erscheint, auch schon mal ins Risiko gehen. Wir müssen die Pflicht und die Kür liefern wollen.

Kleine bekannte Anekdote: Tom Cruise interagierte im Film Minority Report mit gestengesteurten, frei im Raum schwebenden Monitoren. Das war 2002. Drei Jahre später trudelte die erste Anfrage per E-Mail bei uns ein, ob wir so etwas auch liefern können. Und es sollte nicht die letzte Anfrage in diese Richtung sein. Nach ca. 12 Jahren des Tüftelns war die Lösung da und wir könnten die Frage nach diesen Monitoren jetzt mit Ja beantworten. 2017 zeigte LG übrigens die ersten, transparenten OLED-Displays. Da hatte man also in dieselbe Richtung geforscht. Also: Früh die Nase in den Wind halten! Übers Holodeck des Raumschiffs Enterprise müssen wir kaum mehr reden. Natürlich hat das Einzug in die Eventwelt gehalten. Zumindest sah‘s 2006 bei der mit Gorillas tanzenden Madonna nach Holografie aus (und war doch „nur“ ein Spiegeltrick).

Emotionen & Technik

Die Erlebniswelt der Konsumenten dreht sich schneller als die der Eventbranche. Lampen hängen bei uns seit Jahr und Tag an Traversen. Und das ist auch gut. Einen Vorteil verschaffen wir unseren Auftraggebern und uns allerdings, wenn wir mit den richtigen Riecher haben und Unterscheidungsmerkmale liefern können, die den Endkunden begeistern. Und dabei gehen Emotion und Technik Hand in Hand. Ja, Events werden nicht aussterben aber zusehends digital erweitert und dem Temporären enthoben. Auch das Vorher und Nachher wird immer mehr zum Event gehören. VR und AR als Erlebnisbausteine einerseits und fürs Teilnehmermanagement samt ausgewerteter, individueller Feedbacks andererseits. Und eh man sich versieht, hat man den Fuß im Thema Big Data. Puh!

Was gab es nun bei der CES 2019 zu entdecken? Kleine Verblüffung: Das erste faltbare Smartphone kommt nicht von Samsung, sondern von Royole. Von wem? Genau! Mal sehen, wann uns ein Kunde fragt, ob er nicht einen faltbaren 55‘‘ Bildschirm bekommen kann … oder einen, den man aufrollen kann. Ein aufrollbarer Fernseher war auf der Messe bereits zu sehen. Aha! Abseits des Digitalen gab es ein bezauberndes monochromes, 4 x 2 m großes Display mit rasend schneller Faltblattanzeige für Informationen in Echtzeit. Einerseits Retro (ein bisschen wie die klackenden Flip-Over-Uhren aus den 1970ern), andererseits verblüffend und mit großem Differenzierungspotenzial. 8K-Displays gab es zu Hauf zu sehen, dieses Display nur einmal. Also merken wir uns auch das. Kurzes Intermezzo zur Erheiterung: ferngesteuerte Helikopter neben ferngesteuerten Sextoys waren ebenfalls zu sehen. Uh, lala. Viel interessanter war aber eine andere, vermeintliche Kleinigkeit. Ein Harry-Potter-Zauberstab. Hat jetzt jemand gegähnt? Aufgepasst: Mit dem magischen Stab lässt sich Software objektbasiert programmieren. Der Anwender wird zum aktiven Programmierer und erfährt einen praktischen Lerneffekt. Ob das etwas für satis&fy-Azubis ist? Gut möglich.

Guck mal!

Wir tun also gut daran, immer wieder einen Perspektivwechsel vorzunehmen und technische Entwicklungen mit Konsumentenblick zu beurteilen und unser Expertenwissen auf diesem Wege auszubauen. Auch, wenn die Welt immer visueller zu werden scheint, so gibt’s auch auf dem Audiosektor immer Wegweisendes zu entdecken. Man erinnere sich an Holoplot und die Wellenfeldsynthese! Völlig neue Möglichkeiten fürs Video-Conferencing, für Consumer-Erlebnisse und für so vieles mehr.

Neben ihrer Funktion als Trendmesse ist die CES immer auch eine Gestaltungsmesse. Wer inszeniert sich wie? Welche Inszenierung kann begeistern? In diesem Jahr war u. a. der LG-Stand toll. Eine überdimensionale Welle aus vielen, mit einander verquickten Curved Displays. Keine technische Zauberei, aber ein eindrucksvolles Bild. Am Ende ist es ja so: Die Inszenierung ist alles. Ob es dabei um einen Song geht oder um einen Schuh 😉

Satisfying News

Unser Dragon O ist seit dem Frühjahr auch spruchreif. Anders als bei herkömmlichen Projektionsflächen und LED-Screens ist Dragon O quasi ein dreidimensionaler Raum aus LED-„Fäden“, mittels derer Video-Content aus allen Betrachtungswinkeln zu sehen ist. Im Rahmen der diesjährigen Prolight + Sound zeigten wir bei uns am Headquarter in Karben eine Kombination aus Dragon O und Holoplot und geben einen Eindruck von den Einsatzmöglichkeiten. Zuletzt zeigte die Marke Lancôme sehr eindrucksvoll, wie der Dragon O eingesetzt werden kann.

Im Rahmen von Emerging Technology Development loten wir gerade neue Möglichkeiten eines modernen Storytellings aus. Wir versuchen einen Workflow zu entwickeln, der es uns erlaubt, quasi über Nacht Mixed-Reality-Erfahrungen für Besucher eines Events zu entwickeln. Dabei sollen die Besucher über den Einsatz von Mobile Devices oder eben Headsets einen Mehrwert bei der jeweiligen Veranstaltung erfahren. Dazu wollen wir Technologien aus der Architektur-Vermessung mit klassischen Tools der Mediengestaltung kombinieren – Guidelines für die Erstellung von Inhalten inklusive.

Und selbstverständlich taucht das Thema 8k am Horizont auf. HD hat mittlerweile jeder Consumer und sei’s beim Smartphone, Endgeräte mit 4k-Auflösung sind auf dem Vormarsch. Also sind wir nicht untätig und testen neue Geräte und Anwendungsfälle für Events.

Generell gilt: Wir sind nah an Forschern und Entwicklern und ebenso nah am Markt und an den Endverbrauchern. Wann immer sich etwas Interessantes abzeichnet, versuchen wir kreativ zu sein, über unseren bisherigen Tellerrand zu schauen und neue, zukunftsträchtige Entwicklungen voranzutreiben.

Neugierig geworden? Ihr könnt gespannt bleiben 😊

 

Euer Francesco Elsing
Head of Innovation