Kai Weiberg

"They really fucked up!"

Nike geht fremd

Wir hatten das große Glück, Nike zu einem Zeitpunkt kennen gelernt zu haben, als das Unternehmen in Deutschland nicht viel mehr Mitarbeiter beschäftigte als wir. Man könnte sagen, wir entwickelten uns Schulter an Schulter. Wenn ein Meeting oder ein Event organisiert werden musste, kontaktierten uns die netten Damen von Nike aus Weiterstadt, dem damaligen Sitz der AG Deutschland und Europa, und baten um unsere Unterstützung. Ich erinnere mich noch gut an die erste Anfrage fürs Ausland. Als Molly, die gute Seele des Büros bei uns anfragte, ob wir das Event übernehmen würden, klang das fast bittstellerisch. Sie glaubte wohl, uns diesen Aufwand nicht zumuten zu können. Für uns aber war es das große Los.

„Wir machten einen innerlichen Luftsprung. Jetzt konnte die Sache richtig abgehen!“

Da wir unsere Sache sehr gut machten und Nike super zufrieden mit uns war, folgte auf das erste Auslandsevent das nächste und übernächste und das blieb auch so als das europäische Headquarter von Nike nach Holland umzog. Die Kontakte zur Firma verdichteten sich. Freundschaften entstanden. Eine solche Freundschaft hegten wir mit Roy Agostino, dem damaligen europäischen Eventmarketingmanager. Mit ihm zusammen führten wir eine Vielzahl cooler Events und Meetings durch.

Eines Tages, es war im Frühjahr 1994, rief Roy bei uns an. Seine Stimme klang bedrückt: „Bad news! Mein Chef hat beschlossen, die Events in Holland künftig von lokalen Anbietern durchführen zu lassen. Für das nächste Meeting ist schon ein niederländisches Unternehmen beauftragt. Tut mir sehr leid, Jungs!“. Das saß! Erst nach und nach wurden uns die Konsequenzen einer solchen Entscheidung voll umfänglich bewusst. In den Folgetagen wandelten wir fast ein bisschen wie in einer Dunstglocke, auch wenn natürlich business as usual angesagt war.

Aber manchmal wendet sich das Blatt von selbst. Einen Tag nämlich nach dem Event bekamen wir einen erneuten Anruf von Roy. Dieses Mal klang seine Stimme deutlich heiterer: „Hört zu, guys, das Event gestern ist so richtig in die Hose gegangen, they really
fucked up!“ Ab sofort werde er wieder mit satis&fy zusammenarbeiten und zwar ausschließlich! „I promise you!“

„Uns fiel ein gigantischer Stein vom Herzen.“

Das war ein Moment, der hätte so viel ändern können! Manchmal gibt es diese Weichen, die das Leben in die eine oder andere Richtung weisen. Und diese hier führte eindeutig auf das Erfolgsgleis!

Kai Weiberg, Gründer von satis&fy und bis 2014 Vorstand