Corinna Weiberg

"Wenn ich heute durch die Firma gehe, überkommt mich immer mal wieder ein Gefühl der Überwältigung"

Mein Weg zu satis&fy

Die erste Initiativbewerbung

Eines Tages eröffnete mir Kai am Küchentisch unserer WG: „Ich gründe übrigens zusammen mit Nico eine Firma!“ Meine erste Reaktion: „Der spinnt…!“ Zwar wusste ich, wie sehr ihn das Thema Lichttechnik begeisterte. Schon als Kind verzog sich Kai, wenn sich andere gesellig um den Kaffeetisch oder Fernseher versammelten, über Stunden in unseren Keller, um dort mit Beleuchtungen herumzuexperimentieren. Mit Engelsgeduld bastelte er an Lampen, die er damals aus alten Hundefutterdosen herstellte. Später sorgte er bei Schuldiskos und auf Parties im Freundeskreis für Licht und bekam noch als Schüler seinen ersten bezahlten Auftrag von einem Freund der Familie. Und schließlich hatte er während er eigentlich im Hörsaal sitzen sollte immer wieder, allein und später auch zusammen mit Nico, der bei uns in der WG ein und ausging, erfolgreich Projekte gemacht. Und dennoch: Der Schritt, eine richtige Firma zu gründen, erschien mir damals ambitioniert, ja waghalsig. Aber als ich mich erst mal an den Gedanken gewöhnt hatte, dass die beiden das wirklich durchziehen wollten, hatten sie meine Unterstützung.

Als die beiden den Notarvertrag unterschrieben, war ich knapp dreißig Jahre alt, studierte Sozialpädagogin und hatte meinen langjährigen Job als Erzieherin in einer Jugendwohngruppe gerade an den Nagel gehängt. Ohne einen Plan B in der Tasche zu haben, hatte ich gekündigt. Aber ich war gelassen und zuversichtlich. Irgendetwas würde schon kommen.

So kam ich schon im Frühjahr 1993 auf die Dögelmühle. Nico und Kai hatten dort zusammen mit dem Tontechniker Schabbach eine Halle auf dem Gelände der Mühle angemietet. Ich übernahm die Bürotätigkeiten für alle drei. Gemeinsam saßen wir in einem kleinen Büro, das von der Halle notdürftig abgetrennt war.

Als Nico mal wieder zum Essen in der WG zu Besuch war und die beiden müde, aber happy von den vielen anstehenden Aufgaben erzählten,

kam mir spontan die Idee zu fragen, ob sie Unterstützung brauchen könnten. Die beiden überlegten nicht lang und sagten mir zu. Wenn das Telefon klingelte, konnte ich je nachdem zu der ein oder anderen Firma „verbinden“. In den ersten Wochen kam das noch nicht so häufig vor und ich konnte mich den Dingen widmen, die eine junge Firma sonst so beschäftigen: Möbel bestellen, Post, Empfang… und dann natürlich die Buchhaltung. Da ich so etwas vorher noch nie gemacht hatte, fiel mir das nicht gerade leicht. Ich improvisierte so gut ich konnte und ersann dabei das erste Ablagesystem von satis&fy. Es bestand aus drei Kategorien: ‚Personal‘, ‚Kauf‘ und ‚Sonstiges’. Die ganze Ablage war voller Post-it’s geklebt, die ich nach der Nutzung fein säuberlich abtrennte und jahrelang wiederverwendete.

„Aus dieser Zeit stammen auch die Farben der Buchhaltungs-Ordner, die wir bis heute nutzen… Rot für Banken, blau für Kasse, gelb für Eingangsrechnungen, grün für Ausgangsrechnungen – immer noch ein schönes Gefühl!“

Die Zeiten, in denen das Telefon meistens ruhig war gingen leider – oder zum Glück – schnell vorbei. Und damit auch mein angepeiltes Ziel einer Zwei-Tage-Woche. Ich glaube, ich war keine vierzehn Tage da, da dehnte sie sich schon zu einer Vier-Tage-Woche aus. Mit dem ersten großen Auftrag von Nike, der schon wenige Wochen nach offizieller Firmengründung hereinflog, waren die ‚ruhigen’ Tage ein für alle Mal vorbei. Mit dem Auftrag hatte ich auch das erste Mal mit Amerikanern zu tun. Statt „Guten Tag“ und „mein Name ist XX…“ hieß es dann nur lapidar: „I want to talk to Nico!“ Bis ich mich an diesen Umgangston gewöhnte, dauerte es ein Weilchen. Insgesamt war es eine verrückte Zeit… Verrückt und chaotisch! Das Telefon klingelte sich heiß. Material wurde angeschafft und von einer Ecke in die andere bewegt. Wöchentlich kam Neues dazu. Aber wir fanden uns zurecht und genossen die Aufbruchsstimmung und die damit verbundene Betriebsamkeit sehr.

Recht bald allerdings mussten wir unseren ersten offiziellen Firmensitz schon wieder verlassen. Die Feuerwehr hatte uns einen Besuch abgestattet und unser „Büro“ aus Brandschutzgründen für nicht sicher befunden. Sie stellte uns vor die Wahl, diesen abgetrennten Bereich entweder für viel Geld umzubauen oder zu verlassen. Da Ersteres in Anbetracht unserer finanziellen Situation keine Alternative war, entschieden wir uns dafür, eine größere Etage im benachbarten Bürogebäude anzumieten und aufzuteilen: Zwei Zimmer bekam satis&fy, zwei Zimmer gingen an Schabbach, und einen weiteren Raum vermieteten wir an den Badewannenverkäufer Ralf Köhler weiter. Unser Material stand fortan in der großen Halle, die wir uns mit Schabbach, einer Autolackiererei, einem KFZ-Schrauber und zwei Schreinereibetrieben teilten. Weil wir aber so rasant wuchsen, war auch diese Lösung nicht von langer Dauer: Lagerflächen wurden dazu genommen, Mauern wurden hochgezogen und wieder eingerissen oder versetzt. Es sah ständig anders aus und wenn ich mal ins Lager musste, fand ich mich nicht gleich zurecht. Aber Kai und Nico hatten damit offensichtlich keine Probleme. Ebenso wenig die anderen, die dank der guten Auftragslage nach und nach dazukamen: Udo Herrgen, Markus Berger, Oliver Heyde, Venne, die Birkner-Brüder, Hagen Friedrich, Marc Spangenberg, Martin Heuser, Tobi Holler, Thomas Bergmann, Rainer Wendt, Ingo Haverich, Rüdiger Wirtz, Bernd Weigand und so viele mehr… . Lauffeuerartig kamen immer weitere Mitarbeiter auf die Dögelmühle.

„Dabei kannte jeder jeden irgendwie, zumindest um ein oder zwei Ecken.“

Neue Gewerke entstanden: so wagten sich Kai und Nico an eine eigene Ton-Abteilung, riskierten den Aufbau einer AV-Abteilung und schließlich kam die Deko-Sparte hinzu. Der Zuwachs an Mitarbeitern machte es erforderlich, dass wir mehr Platz für uns benötigten. Die Etage, die wir uns anfangs mit so vielen geteilt hatten, wurde schnell von satis&fy alleine gemietet, dann folgte eine zweite und um die Jahrtausendwende kam noch das Hinterhaus dazu. Und die Firma expandierte nicht nur flächenmäßig auf der Dögelmühle, sondern auch in andere Länder: bald wurde die holländische Niederlassung gegründet, dann kamen Ascheberg (heute Werne), Berlin, Portland und München dazu, aus der GmbH wurde eine AG, weitere Tochterunternehmen entstanden– die Firma wuchs und wuchs.

Inzwischen ist fast die ganze Dögelmühle besetzt von satis&fy. Wenn ich heute durch die Firma gehe, überkommt mich immer mal wieder ein Gefühl der Überwältigung. So viele Menschen, so viel Material, so viele Sparten…. Einfach enorm, was sich aus dieser Firma entwickelt hat! Seit mehr 25 Jahren bin ich nun Teil dieser Firma. Die Zeit ist schnell vergangen. Ich arbeite immer noch im Office. Facility Management mache ich schon längst nicht mehr, aber die Zahlungen für den Standort Karben liegen immer noch in meiner Hand. Die Summen sind im Vergleich zu früher exponentiell gestiegen. Nach wie vor habe ich das ganze Vertrauen für mein Tun. Das ist keinesfalls selbstverständlich, aber typisch für diese Firma. Und dafür bin ich nach wie vor sehr dankbar!

Corinna Weiberg, Accounts payable and receivable, Finance